MdL Heiko Sippel (SPD) besucht am 9. November Schulen im Alzeyer Land – „Ein Schicksalstag der Deutschen“

Gleich drei Schulen besuchte der Alzeyer Landtagsabgeordnete Heiko Sippel am deutschen Schicksalstag, dem 9. November. Erst sprach er mit Schülerinnen und Schülern des Sozialkundeunterrichts der 9. und 10. Klassen in der Realschule plus in Flonheim, später mit Sozialkunde-Leistungskursen der 11. Klassen am Elisabeth-Langgässer-Gymnasium und anschließend mit den 12. Klassen des Gymnasiums am Römerkastell in Alzey. Gleich zu Beginn seiner 90-minütigen Referate und Diskussionsrunden fragte er die Schüler was sie mit diesem Datum verbinden. Die beiden wichtigsten Ereignisse, die Reichsprogromnacht 1938 und den Mauerfall 1989 konnten die Schüler sofort zuordnen.

 

„Doch dieses Datum birgt noch mehr schicksalhafte Begebnisse in der deutschen Geschichte,“ so der Abgeordnete und erinnerte an den Ausruf der Republik des Sozialdemokraten Phillipp Scheidemann am 9. November 1918. „Der erste Versuch einer deutschen Demokratie,“ kommentierte Sippel. Mit Zwischenfragen zu historischen Hintergründen forderte er während seines Vortrags die Schüler immer wieder auf sich an einer Diskussion zu beteiligen.

 

Während sich die Realschüler zunächst nur zögerlich auf eine Diskussion einließen, aber umso interessierter der geschichtlichen Ausführung des Abgeordneten folgten, erstaunten die Gymnasiasten durch viel politisches Interesse und Hintergrundwissen. Die sogenannte „Reichskristallnacht“ sei in den Augen des Abgeordneten nur eine beschönigte Bezeichnung der tatsächlich stattfindenden Zerstörung durch die Nationalsozialisten in dieser Nacht.

 

„Die Verfolgung der Juden hat überall stattgefunden, auch in Alzey und im Umland,“ erinnerte der Abgeordnete und las aus dem Buch von Dieter Hoffmann „Wir sind doch Deutsche“ eine Passage über die Zerstörung und Hetze, die sich in dieser Nacht hier ereignete. „Was mir immer wieder Hoffnung gibt sind die kleinen Dinge, die Deutsche in dieser Nacht für ihre jüdischen Nachbarn, Kollegen und Freunde getan haben. Das zeigt, dass es auch in dieser dunklen Zeit noch wahre Menschlichkeit und Zivilcourage gab,“ sagte Sippel.

 

Dieses besondere Datum sei wie ein „roter Faden, der sich durch die deutsche Geschichte zieht“, denn es berge viele schicksalhafte, von Aufbruch geprägte, aber auch zutiefst negative Erinnerungen. So rief sich Adolf Hitler am Abend des 8. November 1923 bei der Stürmung der Versammlung im Münchener Bürgerbräukeller zum Reichskanzler aus und scheiterte am Tag darauf mit dem militärischen Putsch, dem Marsch von nationalistischen Kampftruppen auf die Feldherrenhalle.

 

Die größte Faszination geht jedoch noch immer vom 9. November 1989 aus, dem Tag als der „Eiserne Vorhang“ fiel und Deutschlands Wiedervereinigung eingeleitet wurde. Das jüngste Ereignis ist für Sippel deshalb so deutlich in Erinnerung geblieben, weil er es selbst miterleben durfte und dieses historische Ereignis ohne Blutvergießen vonstatten ging. Das sei zur damaligen Zeit „ein unglaublicher Glücksfall gewesen“, da seine Generation in einem geteilten Deutschlands aufwuchs.

 

Die Unterschiede des Ost-West-Gefälles seien erst durch den Mauerfall so deutlich geworden. „Für mich persönlich war der entscheidendste Faktor für die Wiedervereinigung die Menschen auf der Straße, die gegen die Unterdrückung des Staats gekämpft haben. Der Freiheitsdrang war größer als die Furcht vor Repressalien der Staatsmacht. Die Menschen haben sich ihre Freiheit erkämpft.“ Nicht zuletzt habe das Vertrauen der Partner in der Europäischen Union, der USA und  Michail Gorbatschows in ein demokratisches und freiheitliches Deutschland die Wege zur Einheit geebnet.

 

Für die Schüler des ELG, die mit dem Selbstverständnis eines geeinten Deutschlands aufwuchsen, sind die Folgen noch immer greifbar. So fragten sie gezielt ob der Solidarpakt nicht schon längst überholt sei, weshalb der Westen noch immer Abgaben an die neuen Bundesländer zahlen müsse. Sippel machte deutlich klar, dass in einem bundesweiten Vergleich die Finanzkraft der Ostländer noch immer unterdurchschnittlich sei.

 

„Der Solidarpakt ist bis 2019 befristet und nimmt von Jahr zu Jahr ab. Die Länder müssen darauf vertrauen können, dass die Hilfe auch kommt, um die Wirtschaftskraft anzugleichen und den Menschen dort eine Perspektive zu geben.“ Bis zur Wiedervereinigung habe man wesentlich mehr Geld in die gegenseitige militärische Aufrüstung investiert. „Da ist das Geld in die Einheit Deutschlands wesentlich besser angelegt.“

 

mth

 

Bild: © Marta Thor

 

Veröffentlicht am 12.11.2012.